Christliches Engagement für Flüchtlinge 1994 – heute

Zuflucht- Ökumenische Ausländerarbeit e.V. feiert zwanzigjähriges Bestehen

Am 18. November 2014 feierte der Bremer Verein Zuflucht- Ökumenische Ausländerarbeit e.V. sein zwanzigjähriges Bestehen in der Kirche Unser Lieben Frauen. Die Festveranstaltung war zugleich auch Ausstellungseröffnung für die Wanderausstellung über die Aktivitäten und Entwicklungen des Vereins in den letzten zwanzig Jahren.

Die Ausstellung ist als Wanderausstellung gedacht und kann unter zuflucht@kirche-bremen.de  zur Ausleihe reserviert werden und ab Januar von interessierten Gemeinden und Verbänden ausgeliehen werden. Sie umfasst 8 selbststehende, leicht aufbaubare Rollups im Format 85x200cm. Eine kleine Broschüre mit den Texten und Bildern der Ausstellung wird in ausreichender Anzahl zum Verteilen an BesucherInnen mitgeliefert.

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Nach der Eröffnung des Festakts durch den Vorstandsvorsitzenden, Pastor Friedrich Scherrer, wandte sich Bürgermeister Jens Böhrnsen mit einem Grußwort an die etwa 120 Gäste. Er sah in der Bremer Flüchtlingspolitik gute Ansätze hin zu einer Willkommenskultur, die gerade jetzt – vor dem Hintergrund der Ereignisse im Irak – von besonderer Wichtigkeit sei. Das Schicksal, das dort Flüchtlinge zu erleiden hätten, sei ihm jüngst bei einem Empfang von Yeziden eindrücklich geschildert worden und mache ihn betroffen. In der Bremer Flüchtlingspolitik nehme der Verein „Zuflucht“ einen wichtigen Platz ein.

Der Schriftführer der BEK und Friedensbeauftragte der EKD, Renke Brahms, betonte, zur Verantwortung Deutschlands gehöre die Bekämpfung der Fluchtursachen und die Aufnahme von Flüchtlingen hier bei uns. An unsere Verantwortung als Christen sowie an das Beispiel des Papstes, der zu Beginn seines Pontifikates die Flüchtlinge auf der Insel Lampedusa besucht habe, erinnerte Propst Dr. Martin Schomaker; er überreichte dem Vorstandsvorsitzenden als Jubiläumsgeschenk den Mitgliedsantrag der Katholischen Gemeinde St. Johann in Bremen.

Andreas Lipsch, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl, beglückwünschte als Festredner den Verein dazu, über 20 Jahre kontinuierlich wichtige Arbeit geleistet zu haben und nicht wie viele andere Initiativen von der Bildfläche verschwunden zu sein. Den Vereinsnamen „Zuflucht“ nahm er zum Anlass, einen Geisteswechsel in Deutschland zu fordern: Die Bundesrepublik müsse von einem Einwanderungsland zu einem Zufluchtsland werden. Sondergesetze wie das Asylbewerberleistungsgesetz und die europaweit nur in Deutschland existierende Residenzpflicht für Flüchtlinge müssten ersatzlos gestrichen werden. Die Integrationskurse des Bundes sollten für alle geöffnet werden. In einem an den Menschenrechten orientierten Zufluchtsland müssten Flüchtlinge gleichberechtigt Zugang zu Arbeit und Ausbildung haben. Das koste viel Geld. „Aber es wäre gut investiertes Geld. Desintegration ist auf lange Sicht immer teurer als Integration.“ Er kritisierte auch den europäischen Umgang mit Menschen, die vor Krieg, Hunger und Verfolgung flüchten. „Nirgendwo auf der Welt sterben so viele Flüchtlinge wie vor den Toren dieses immer noch reichsten Kontinents der Welt.“ Lipsch forderte „die Ablösung des Mauergeistes, von dem Besessene ja trotz des diesjährigen 9. November immer noch glauben, man bliebe bewahrt und behütet, wenn man sich einmauert. Anstelle dieses hoffnungslos gestrigen Mauergeistes brauchen wir den Montags-Geist des Mutes, der Mauern und Grenzen überwindet und Zuflucht möglich macht.“

Zum Abschluss ermutigte er die Gäste und Vereinsmitglieder, auch in Zukunft aktiv an einem für alle sicheren und gerechten Zufluchtsland mitzuarbeiten: „Keine Kompromisse auf Kosten der Menschenrechte. Kein Wegducken vor Rassismus und Rechtspopulismus. Statt systematischer rechtlicher- und sozialer Ausgrenzung von Flüchtlingen ihre Integration vorantreiben, vom ersten Tag an“.

In die Ausstellung zur Dokumentation der 20jährigen Vereinsgeschichte führte die Kulturwissenschaftlerin Dr. Andrea Hauser ein, die die Ausstellung auch konzipiert hatte. Das Duo „Daf“ sorgte mit bewegendem Spiel auf der Trommel und Violine für das musikalische Rahmenprogramm.

Die anlässlich der Jubiläumsfeier gehaltenen Reden können Sie hier herunterladen:

Brahms Grußwort 20 Jahre Zuflucht Bremen

Lipsch Vortrag 20 Jahre Zuflucht Bremen

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