
„Tun Sie jetzt alles in Ihrer macht Stehende, um die Afgha-ninnen und Afghanen mit Aufnahmezusage bis Jahresende nach Deutschland zu holen“, heißt es in dem Offenen Brief, der namentlich an die Bundesminister Alexander Dobrindt und Johann Wadephul gerichtet ist."
Noch immer warten rund 1.800 afghanische Menschen darauf, nach Deutschland in Sicherheit zu kommen. Über 70 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder. Die pakistanische Regie-rung droht ihnen mit der Abschiebung nach Afghanistan, wenn sie nicht bis Ende Dezember das Land verlassen haben. „Die Zeit drängt. Es zählt buchstäblich jeder Tag“, heißt es in dem Offenen Brief.
Abschiebung nach Afghanistan bedeutet Verfolgung, Miss-handlung und Tod
In Afghanistan sind die Menschen Verfolgung, Misshandlun-gen, Gefängnis und sogar dem Tod durch die Taliban ausge-setzt. Der Grund: Sie haben sich über Jahre hinweg für Demo-kratie, Rechtsstaatlichkeit, Frauen- und Kinderrechte einge-setzt: für universelle Werte also – auch im Interesse Deutsch-lands. Darunter sind ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Mitarbeitende von Hilfsorganisationen ebenso wie Jour-nalist*innen, Richter*innen, Menschenrechtsvertei-diger*innen, Angehörige der LSBTIQ+ Community sowie Kul-turschaffende.
EIGENE ZITATE WENN GEWÜNSCHT
Deutschland muss zu menschenrechtlichen Verpflichtungen stehen
Die mehr als 250 bundes-, landesweiten und lokalen Organisa-tionen appellieren kurz vor Weihnachten nicht nur an Mitmen-schlichkeit und Nächstenliebe, sondern weisen Deutschland vor allem deutlich auf die Verantwortung hin, die es für diese Menschen trägt: „Die menschenrechtlichen Verpflichtungen unseres Landes dürfen kein Lippenbekenntnis sein – das schulden wir jenen, die für Deutschland gearbeitet oder die sich auf uns verlassen haben. Vertrauen ist unsere stärkste Währung. Wer Vertrauen verspielt, handelt gegen Deutsch-lands Interessen.
Um die Menschen vor Tod und Verfolgung zu schützen, brau-chen sie, heißt es in dem Appell weiter:
- Sofortige Evakuierungen: Für alle Menschen mit Aufnah-mezusage ist die sofortige, unbürokratische Ausreise vor Jahresende einzuleiten.
- Einen schnellen Abschluss der Verfahren ohne weitere Verzögerung: Die Sicherheitsüberprüfungen und Visa-verfahren müssen schnellstmöglich für alle Aufnahme-programme – inklusive Menschenrechtsliste und Über-brückungsprogramm – abge-schlossen werden.
- Sicherheit vor Abschiebungen nach Afghanistan: Die Bundesregierung muss im Gespräch mit der pakista-nischen Regierung alle Möglichkeiten nutzen, um weitere Abschiebungen der Betroffenen nach Afghanistan zu ver-hindern und eine sichere Unterbringung bis zum Ab-schluss der Verfahren zu gewährleisten.
Hintergrund:
Derzeit befinden sich in Pakistan rund 1.800 afghanische Staatsangehörige, die eine Aufnahmezusagen aus den vier verschiedenen deutschen Aufnahmeprogrammen haben – Bundesaufnahmeprogramm (§ 23 Absatz 2 AufenthG), Orts-kräfteverfahren (§ 22 Satz 2 AufenthG), Menschenrechtsliste (§ 22 Satz 2 AufenthG) und Überbrückungsprogramm (§ 22 Satz 2 AufenthG). Circa 250 von ihnen wurden im August 2025 bereits nach Afghanistan abgeschoben und warten in einem Safe-house auf die Fortsetzung ihrer Verfahren. Während die Bun-desregierung angekündigt hat, die Verfahren für Personen im Bundesaufnahmeprogramm und im Ortskräfteverfahren wei-terzuführen, sind die Verfahren der Menschenrechtsliste und im Überbrückungsprogramm weiterhin ausgesetzt.
(Quelle: proasyl.de)
