
In Pakistan und in Afghanistan endet in diesen Tagen die Un-terstützung afghanischer Familien durch Deutschland. Hunderte Menschen müssen ihre Gäste- und Schutzhäuser verlassen - und fürchten sich vor den Taliban.
"Tut uns leid, dass wir keine besseren Nachrichten für Sie haben." So endete die E-Mail, die Zarmina aus Deutschland bekam. Absender ist die Gesellschaft für internationale Zu-sammenarbeit (GIZ), die im Auftrag der Bundesregierung bislang Menschen wie sie betreute. Die schlechte Nachricht war: An diesem Donnerstag, endet die Betreuung durch die Deutschen.
Nun muss Zarmina mit ihrer Tochter und ihrem Sohn in Afgha-nistans Hauptstadt Kabul auf die Straße: "Ich bin dann ohne Begleitung, ohne Unterstützung und ohne sicheren Zufluchts-ort." Derzeit vermietet kein Hotel oder Gästehaus an allein-stehende Frauen. Sie hat Angst, verhaftet zu werden, und dass man ihr die Kinder wegnimmt. "Die Taliban schrecken vor nichts zurück", sagt sie.
Es ist eine Horrorvorstellung für Zarmina, die in den vergan-genen Jahren viel durchgemacht hat. Die Frau Anfang 30 war mit ihren Kindern aus Afghanistan nach Pakistan geflohen, mit einer Aufnahmezusage der Bundesregierung im Gepäck - als jemand, die sich in ihrem Heimatland für Menschenrechte eingesetzt hatte.
Doch in Pakistan wurde sie vergangenen Sommer verhaftet, die pakistanische Regierung wollte alle Afghanen loswerden. Bei der Festnahme seien sie wie Schwerverbrecher behandelt worden, sagt sie. Sie und ihre beiden Kinder seien dann ins zentrale Abschiebelager der pakistanischen Hauptstadt Isla-mabad gebracht worden. "Dort mussten wir zwei Nächte lang auf dem nackten Boden verbingen, ohne Wasser und Essen.
Meine Kinder, ich und alle, die da waren, gerade die Frauen, wurden beleidigt, gedemütigt und geschlagen."
Sie seien schließlich in Polizeifahrzeugen zur Grenze nach Afghanistan transportiert worden. Es sei eine furchtbare Er-fahrung gewesen, "völlig ohne Menschlichkeit und Würde", so Zarmina mit stockender Stimme. "Meine Kinder und ich werden diese Tage nie vergessen - es waren die dunkelsten Tage unseres Lebens, sie sind für uns zu einem Albtraum geworden."
In Kabul wurden sie in einem einfachen Gästehaus unter-gebracht, das von der Bundesregierung bezahlt wurde. Im vergangenen November dann der nächste Schock: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ließ die Aufnah-mezusagen von Zarmina und Hunderten anderen Afghaninnen und Afghanen aufheben. Sie alle waren auf der Menschen-rechtsliste und im sogenannten Überbrückungsprogramm.
Diese Art von Aufnahmezusagen sei nicht rechtsverbindlich, hieß es damals, im Gegensatz zu den Zusagen aus dem Bun-desaufnahmeprogramm und dem Ortskräfteverfahren.
Betroffen waren von der Aufhebung zumeist Mitglieder der afghanischen Zivilgesellschaft: Frauen wie Zarmina, Jour-nalisten, Juristinnen und hohe Beamte, zusammen mit ihren Familien. Ein Teil dieser Gruppe ist noch in Pakistan. Ihnen droht nun die Abschiebung nach Afghanistan. Ein anderer Teil ist bereits abgeschoben worden. Sie alle gelten als gefährdet in dem von den islamistischen Taliban beherrschten Land.
(Quelle: tagesschau.de)
